Kommentar zum Tesla-Gebot

Elon Musk ist für Twitter keine Hilfe

Er kann auch ernst: Elon Musk bei der Eröffnung der Tesla-Fabrik in Grünheide.

Er kann auch ernst: Elon Musk bei der Eröffnung der Tesla-Fabrik in Grünheide.

Elon Musk wurde einmal unterschätzt. Viele hielten ihn für einen großmäuligen Spinner, der seine Kraft nicht auf den Boden bekommt. Das passiert heute niemandem mehr. Zu konsequent und erfolgreich hat er aus Visionen Geschäfte gemacht, aus dem Chaos Konzerne. Mit den Autoherstellern und der Raumfahrtindustrie hat er gleich zwei Branchen aufgemischt.

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Der Einstand ist missraten

Nun also Twitter, die unvollendete Größe unter den Internetriesen. Der reichste Mann der Welt will seine liebste Internetplattform gleich komplett kaufen und ihr verschüttetes Potenzial heben. Im Erfolgsfall wäre es die dritte unternehmerische Großtat des gerade mal 50-Jährigen – wenn er denn die Mehrheit bekommt. Das ist längst nicht sicher. Der gebotene Preis ist nicht übermäßig attraktiv, und Musk hat sich mit seinem zuerst heimlichen und dann polterigen Einstand keine Freunde gemacht.

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Vor allem aber gibt es einen entscheidenden Unterschied zu seinen unbestrittenen Großtaten bei Tesla und SpaceX. Auto‑ und Raumfahrtindustrie hat Musk disruptiv überrollt: Anderes Geschäftsmodell, andere Technologie, dominante Persönlichkeit, schnelle Entscheidungen aus dem Bauch – das sind seine großen Stärken, und sie machten den Unterschied zur eingefahrenen, trägen Konkurrenz. Nichts davon hilft Twitter weiter. Es ist kein Wunder, dass die Unternehmensführung jetzt Tricks sucht, um den selbsternannten Retter fernzuhalten.

Die großen Visionen und wilden Gründerjahre hat der Kurznachrichtendienst hinter sich. Sie machten ihn extrem bekannt, aber in Wahrheit nicht besonders groß. Facebook etwa spielt finanziell und nach Nutzerzahlen in einer völlig anderen Liga. Gefragt ist seit Jahren eine Strategie mit robustem Geschäftsmodell. Aber die hat Musk offenbar auch nicht. Und das Rezept Disruption hilft hier nicht weiter: In dieser dauererregten Branche gibt es keine Schlafenden zu überrumpeln.

Angeblich geht es nicht ums Geld

Glaubt man Musk selbst, geht es ohnehin nicht ums Geld. Der Dauer-Twitterer will sein Lieblingsmedium angeblich einfach nur besser machen – nach seinen Maßstäben. Was dem Amazon-Kollegen Jeff Bezos die „Washington Post“ ist, soll ihm wohl Twitter werden – eine Art Herzenssache. Aber auch diese Idee hat einen Haken. Denn der Milliardär, der die Vielfalt feiert und Meinungsfreiheit fordert, hat sich persönlich bisher vor allem mit Egotrips und Hang zum Durchregieren hervorgetan.

Das aber ist der Twitter-Gemeinde wesensfremd, was Musk selbst am besten wissen sollte. Als Heavyuser ist der reichste Mann der Welt ein Zugpferd für die Plattform. Als Eigentümer wäre er eine Übermacht, mit der Twitter noch mehr als ohnehin schon vom Netzwerk zum Sprachrohr würde. Das ist nicht nur gesellschaftlich problematisch, es wäre auch geschäftlich keine gute Idee.

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