Euroraum

EZB-Chefvolkswirt: Kein schnelles Ende der Negativzinsen

Dunkle Regenwolken ziehen über die Bankenskyline von Frankfurt und die EZB hinweg.

Dunkle Regenwolken ziehen über die Bankenskyline von Frankfurt und die EZB hinweg.

Frankfurt/Main. EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane dämpft Hoffnungen auf ein noch schnelleres Ende der Negativzinsen im Euroraum. „Was wir derzeit sehen, ist, dass es angemessen ist, die negativen Zinssätze bis zum Ende des dritten Quartals abzubauen, und dass der Prozess schrittweise erfolgen sollte“, sagte Lane in einem am Montag veröffentlichten Interview der spanischen Zeitung „Cinco Días“.

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Üblicherweise erfolge die Normalisierung in Schritten von 25 Basispunkten, so dass Zinserhöhungen um 0,25 Prozent auf den Sitzungen des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli (21.7.) und September (8.9.) einen Richtwert darstellten, erklärte Lane. Damit steuert die EZB wie von EZB-Präsidentin Christine Lagarde in der vergangenen Woche angekündigt auf ein Ende des negativen Einlagensatzes von derzeit minus 0,5 Prozent im September zu.

Leitzins seit März auf Rekordtief

Forderungen nach einer größeren Zinserhöhung um 50 Basispunkte würden diskutiert, sagte Lane. „Aber unsere derzeitige Einschätzung der Lage, bei der wir davon ausgehen, dass die mittelfristigen Inflationsaussichten mit unserem Zwei-Prozent-Ziel übereinstimmen, spricht für ein schrittweises Vorgehen bei der Normalisierung.“

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Derzeit müssen Banken 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Der Leitzins im Euroraum liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent. Dieser Hauptrefinanzierungszins wurde in den vergangenen Jahren in der Bedeutung vom Einlagensatz verdrängt.

Geldpolitik wird gestrafft

Die Rekordinflation im Euroraum zwingt Europas Währungshüter, ihre seit Jahren ultralockere Geldpolitik schneller zu straffen. Im April stiegen die Verbraucherpreise im Währungsgebiet der 19 Staaten zum Vorjahresmonat um 7,4 Prozent. Damit verharrte die Teuerung auf dem höchsten Niveau seit Einführung der gemeinsamen Währung. Die EZB strebt mittelfristig stabile Preise bei einer jährlichen Teuerungsrate von zwei Prozent an.

„Der Ausstieg aus den Negativzinsen im September bedeutet nicht, dass die Zinssätze hoch sein werden - sie werden immer noch relativ stützend sein“, sagte Lane mit Blick auf den durch den Krieg in der Ukraine ausgebremsten konjunkturellen Aufschwung. „Es ist ein Pfad zur Normalisierung.“ Niedrige Zinsen stützen die Konjunktur.

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RND/dpa

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