Rückschläge wegen Ukraine-Krieg und dem Abflauen der Pandemie

Hightechbranche: Der tiefe Sturz nach dem Höhenflug

Laptop und Smartphone: Der Run auf die Geräte war im vorigen Jahr enorm. Doch nun bricht die Nachfrage ein.

Laptop und Smartphone: Der Run auf die Geräte war im vorigen Jahr enorm. Doch nun bricht die Nachfrage ein.

Frankfurt am Main. Von nun an geht‘s bergab. Das könnte zum Motto der Hightechbranche für die nächsten Monate werden. Ein deutlich schrumpfendes Geschäft bei Computern ist schon jetzt zu erkennen. Auch bei Smartphones könnte der Absatz spürbar zurückgehen. Aktienkurse rauschen in den Keller. Für die Hersteller braut sich einiges zusammen.

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Das Marktforschungsunternehmen Gartner meldete am Dienstag, dass die weltweiten PC-Auslieferungen im ersten Quartal heftig eingebrochen sind, und zwar um 7,3 Prozent auf knapp 77,5 Millionen verkaufte Geräte. Dabei hatte das Geschäft mit den Rechnern 2021 noch das stärkste Wachstum seit Jahrzehnten verzeichnet. Jetzt spricht Gartner-Experte Mikako Kitagawa von einem „herausfordernden Quartal“ für den PC- und den Chromebook-Markt.

Chromebooks waren im Vorjahr die Renner. Es sind preiswerte agile Rechner, in denen das Chrome-Betriebssystem von Google werkelt. Word, Excel und fast alle anderen Anwenderprogramme laufen über den Chrome-Browser, müssen also nicht vom Gerät gespeichert werden. Die Daten kommen aus der Cloud, lassen sich also auf andere Geräten einfach übertragen. Chromebooks waren die großen Krisengewinner während der Pandemie. Sie wurden millionenfach vor allem für Homeschooling, aber auch für das Homeoffice angeschafft – insbesondere in den USA.

Der Verkauf von Chromebooks bricht ein

Die Marktforscher von Trendforce sehen aber nun wegen des Abflauens der Covid-Infektionen eine deutlich schwächere „Stay at home“-Ökonomie. So sind denn auch nach den Gartner-Berechnungen die Auslieferungen bei den beiden Marktführern Lenovo und HP, die stark auf Chromebooks gesetzt haben, besonders heftig weggebrochen. Lenovo büßte im ersten Quartal fast 13 Prozent und HP sogar knapp 18 Prozent ein. Ein weiterer Faktor: Konsumenten verschieben ihre Prioritäten beim Verwenden des frei verfügbaren Einkommens. Das hat mit der schrumpfenden Kaufkraft durch die steigende Inflation – auch hierzulande – zu tun.

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Die Verbraucher vertagen die Anschaffung eines neuen PC, weil‘s der alte noch einige Zeit tut. Stattdessen müssen die Budgets für Sprit, Klamotten und Nahrungsmittel aufgestockt werden. In Deutschland ist die Inflation im März um 7,3 Prozent gestiegen, und sie dürfte sich für April in Richtung 8 Prozent bewegen.

Hauptursache für diese heftigen Preisschübe sind in erster Linie die Folgen des Ukraine-Krieges. Das macht sich für die Hightechbranche auch unmittelbar bemerkbar. „Viele PC-Hersteller haben die Lieferungen ihrer Geräte nach Russland gestoppt, und die Nachfrage in der Ukraine ist zusammengebrochen“, erläutert Kitagawa. Auffallend sei zudem, dass eine deutliche Kaufzurückhaltung in Osteuropa zu erkennen sei.

Die Trendforce-Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage bei elektronischen Produkten aus der Konsumentenkategorie (also auch bei Smartphones oder Fernsehern) auch im zweiten Quartal schwach bleibt. Gerätehersteller planten, die Fertigung zu drosseln, und würden deshalb weniger Komponenten für ihre Produkte ordern. Solche Strategien sollen einem Überangebot und damit einem Preisverfall vorbeugen. Davon sind letztlich auch Chiphersteller betroffen.

Die Aktien genau dieser Unternehmen mussten in den vergangenen Tagen starke Abschläge hinnehmen. Der Philadelphia-Semiconductor-Index rutschte zu Wochenbeginn um 7,3 Prozent ab, das sind die größten Einbußen seit Jahresbeginn. Der gesamte Buchwert der Aktien im Nasdaq-100-Index – das ist das wichtigste Barometer der Hightechbranche – ist an den fünf Handelstagen bis inklusive Montag laut Bloomberg um sage und schreibe 1000 Milliarden Dollar geschrumpft. Am Dienstag wurde im frühen Handel in New York ein Teil der Einbußen zwar wieder wieder kompensiert.

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Banker raten zum Verkauf von Hightechaktien

Aber unter anderem die Anteilscheine von Qualcomm, Experte für Smartphone-Chips, haben sich noch immer nicht von den jüngsten Rückschlägen erholt. Heftig hat es auch die Papiere von Nvidia erwischt. Das Unternehmen, das vor allem bei Grafikprozessoren für PC und Spielekonsolen stark ist, war in den vergangenen Monaten der Liebling der Investoren. Seit Ende März hat die Aktie aber ein Viertel seines Werts verloren – allerdings ist Nvidia immer noch etwa 550 Milliarden Dollar wert (mehr als das Fünffache des Volkswagen-Konzerns).

Das alles zeigt, wie hoch die Erwartungen der Investoren waren und wie groß jetzt ihre Enttäuschung ist. Die Analysten der US-Investmentbank JP Morgan Chase raten laut Finanznachrichtendienst Bloomberg den Anlegern denn auch, bereits erzielte Gewinne aus Hightechaktien nun mitzunehmen – also zu verkaufen. Wegen geopolitischer Risiken und der Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed.

Ersteres hat ebenfalls mit dem Ukraine-Krieg und den globalen Konjunkturrisiken zu tun. Hinter Letzterem steckt ein Mechanismus, der besonders Techkonzerne betrifft. Deren Aktienkurse basieren vielfach auf der Hoffnung auf künftige Gewinne. Nun hat aber die Fed eine Serie von Zinserhöhungen in diesem Jahr angekündigt. Höhere Leitzinsen machen künftige Kredite für Nvidia und Co. teurer, was wiederum deren künftige Profite drückt. Dadurch werden die Aktien unattraktiver. Allerdings haben die Bloomberg-Experten auch hochgerechnet, dass die Aktienkurse der Nasdaq-100-Mitglieder im Verhältnis zu ihren erwarteten Gewinnen immer noch deutlich höher sind als im Durchschnitt der zurückliegenden Dekade.

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