Nach Berufsbildungsbericht

Lehrer fordern mehr Berufsberatung in den Schulen

„Azubis gesucht“ steht auf einem Banner auf einer Ausbildungsmesse.

„Azubis gesucht“ steht auf einem Banner auf einer Ausbildungsmesse.

Berlin. Der Ausbildungsmarkt hat sich noch immer nicht von der Corona-Pandemie erholt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt rund 473.000 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Das sind 5600 mehr als im Vorjahr, aber immer noch 52.000 weniger als vor der Corona-Pandemie. Das Angebot an Plätzen stieg auf rund 536.000, lag aber ebenfalls unter Vor-Corona-Niveau. Das ist das Ergebnis des Berufsbildungsberichts, der am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen worden ist.

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Gleichzeitig bleibt es ein Dauerproblem, dass auf der einen Seite Tausende Stellen unbesetzt bleiben – und auf der anderen Seite viele Interessenten unversorgt bleiben. Die Gefahr dabei: ein sich immer weiter verschärfender Fachkräftemangel. Betriebe berichteten „weiterhin von größeren Herausforderungen bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen“, sagte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP).

Ruf nach mehr Praktika

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, forderte eine Ausweitung der Berufsberatung an den Schulen. „Die Schülerinnen und Schüler müssen früher und vor allem kontinuierlicher Chancen bekommen, sich an der Schule über mögliche Berufe zu informieren“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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An jeder Schule braucht es einen Ausbildungsbeauftragten, der wirklich Zeit hat, sich um das Thema zu kümmern.

Heinz-Peter Meidinger,

Deutscher Lehrerverband

Dazu zähle nicht nur, dass Schulen häufiger Menschen aus der beruflichen Praxis einladen sollten, so Meidinger. „Schülerinnen und Schüler sollten häufiger Praktika machen“, forderte er. Der Lehrerpräsident unterstrich: „An jeder Schule braucht es einen Ausbildungsbeauftragten, der wirklich Zeit hat, sich um das Thema zu kümmern.“ Auch an Gymnasien müsse die duale Ausbildung, etwa im Handwerk, ein Thema sein, das nicht an den Rand gedrängt werde.

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Kultusministerchefin Karin Prien: „Das System Schule steht noch immer massiv unter Stress“

Deutschland steht vor der Herausforderung, die geflüchteten Kinder aus der Ukraine in den Schulen zu integrieren. Wie gut schaffen wir das? Und: Haben die Schulen in Sachen Corona wirklich schon das Schlimmste hinter sich? Darüber hat Tobias Peter mit der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), gesprochen.

Die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, forderte eine Ausbildungsplatzgarantie. „Die zusätzlichen Ausbildungsplätze sollen über eine Umlage der Betriebe finanziert werden“, sagte sie dem RND. „Es passt einfach nicht zusammen, dass sich die Wirtschaft über einen wachsenden Fachkräftemangel beklagt, aber nicht bereit ist, ausreichend in die Ausbildung der jungen Leute zu investieren.“

Arbeitgeber verweisen in der Debatte üblicherweise auf noch unbesetzte Ausbildungsplätze. Gewerkschaften halten dagegen, wenn Bewerberinnen und Bewerber fehlten, müssten die Bedingungen attraktiver werden. Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) sieht hier im von der Corona-Pandemie schwer getroffenen Gastgewerbe wichtige Fortschritte. Es sei gelungen, in fast allen Bundesländern Tarifverträge weit über dem Mindestlohn abzuschließen, sagte NGG-Chef Guido Zeitler dem RND. „Damit hat das Gastgewerbe eine gute Chance für einen Neustart nach der Pandemie.“

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Fachkräftemangel als Risiko

Jenseits der besonderen Situation einzelner Branchen warnte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Johannes Vogel, Fachkräftemangel sei „eines der größten wirtschaftlichen Wachstumsrisiken – wenn wir nichts dagegen unternehmen“. Deshalb gelte es, alle Register zu ziehen: bestmögliche Aus- und Weiterbildung, vor allem aber auch mehr Einwanderung von Fachkräften, sagte er dem RND. Die Reform des Einwanderungsrechts sei „eines der zentralen Vorhaben für die Legislaturperiode, das wir mit Priorität angehen müssen“.

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