200 Milliarden Dollar ärmer über Nacht: Warum Facebook-Mutter Meta abstürzt

Mark Zuckerberg, Facebook-Chef, hält inne, während er bei einer Anhörung auf dem Capitol Hill in Washington über die Verwendung von Facebook-Daten aussagt.

Mark Zuckerberg, Facebook-Chef, hält inne, während er bei einer Anhörung auf dem Capitol Hill in Washington über die Verwendung von Facebook-Daten aussagt.

Frankfurt. Ein Schock für Facebook-Aktionäre. Der Wert des Konzerns ist über Nacht um rund 200 Milliarden Dollar geschrumpft. Verursacht haben das die Nutzer – immer mehr verweigern den Zugriff auf ihre Daten, was die Profite massiv schrumpfen lässt.

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Für das Unternehmen, das offiziell jetzt Meta heißt, gilt das Prinzip, dass die Nutzer nicht Kunden, sondern das Produkt sind. Das wertvollste Gut der Meta-Plattformen (Facebook, Instagram, Whatsapp) sind die Menschen, die diese Netzwerke täglich nutzen. Mit jedem Mausklick entstehen neue Daten, die gesammelt und analysiert werden. Daraus entstehen präzise Profile über Gewohnheiten und Vorlieben.

Meta vermarktet den Datenschatz, indem Werbung zielgenau auf die Accounts von Nutzern gestellt wird, die für die jeweiligen Reklame­botschaften empfänglich sind. Firmen, die Konsumgüter herstellen, sind bereit, für diese Art von Marketinghilfe viel auszugeben. Meta verdient fast ausschließlich damit sein Geld.

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Apple funkt dazwischen

Jahrelang hat dieses Geschäftsmodell steigende Gewinne in gigantischen Dimensionen gebracht. Doch nun funkt ein anderer Techriese dazwischen: Apple. Der hat für sein Betriebs­system iOS, das in iPhones und iPads werkelt, neue Einstellungen eingeführt. Es wird nun ausdrücklich nach einer Erlaubnis gefragt, um das Verhalten der Nutzer beim Surfen nachzuverfolgen. Viele sagen: nein.

Die Folge: Facebook, Instagram und Whatsapp sammeln weniger Daten, die Werbung kann nicht mehr so präzise ausgespielt werden, deshalb sinken die Einnahmen. Meta-Finanzchef David Wehner betonte bei der Präsentation aktueller Geschäfts­zahlen, dass Apples neue Privatsphäre­einstellungen in diesem Jahr „ökonomische Auswirkungen“ in Höhe von etwa 10 Milliarden Dollar haben würden.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre Werbebudgets zusammen­gestrichen haben, weil sie sich mit steigenden Kosten und Liefer­engpässen herum­schlagen müssen. Ferner drohen in vielen Ländern weitere rechtliche Restriktionen beim Datensammeln. So basteln die EU-Kommission und das Europa­parlament an Richtlinien, um unter anderem Werbung zu verbieten, die aufgrund sensibler Daten – etwa über Krankheiten oder sexuelle Orientierungen – geschaltet wird. Und dann hat der Konzern auch noch Ärger, weil er Hass­kommentare und Aufrufe zu Gewalt nicht in den Griff kriegt.

Zahl der Nutzer schrumpft

Da sind nicht die einzigen Probleme für Meta-Chef Mark Zuckerberg: Das Unternehmen, das jahrelang immer steigende Nutzerzahlen melden konnte, musste nun einräumen, dass im Schlussquartal von 2021 rund eine Million Menschen weniger als in den drei Monaten zuvor täglich auf den Plattformen aktiv waren – insgesamt waren es noch 1,9 Milliarden.

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Experten gehen davon aus, dass es insbesondere junge Leute sind, die sich nun anderswo tummeln. Etwa bei Snapchat oder der chinesischen Video­plattform Tiktok, deren Manager ihr Unternehmen als das weltweit am schnellsten wachsende soziale Netzwerk sehen.

Zuckerberg will dagegenhalten, er hat die Anwendung Reels auf Facebook und Instagram installieren lassen, mit der kurze Videos abgespielt werden können. Der Meta-Chef räumte ein, dass Tiktok ein starker Rivale sei. Nun werde hart daran gearbeitet, die Nutzung von Reels so schnell wie möglich zu steigern. Aber kurzfristig müsse man mit einem Wachstum rechnen, das geringer ausfalle, „als wir es gewollt haben“.

Langfristig setzt Meta indes auf eine neue virtuelle Welt (Metaverse). Es wird aber noch Jahre brauchen, bis all die dafür notwendigen Programme laufen. Aktuell wird immens investiert. Was zu einem Verlust in der dafür zuständigen Sparte Reality Labs im Jahr 2021 von rund 10 Milliarden Dollar führte.

Der Gewinn des gesamten Konzerns schrumpfte im vierten Quartal um 8 Prozent auf rund 10 Milliarden Dollar. All das führte dazu, dass in der Nacht zum Donnerstag die Meta-Aktie im nachbörslichen Handel um mehr als 20 Prozent einbrach und der Marktwert des Unternehmens rechnerisch um die 200 Milliarden Dollar zurückging.

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