Entsetzen hält sich in Grenzen

Göttinger Hoteliers sehen das Cebit-Aus gelassen

Die Cebit versuchte im Sommer nach drei Jahrzehnten einen Neuanfang mit einem neuen Festival-Format hinzulegen. Auch das konnte die einst weltweit größte Computermesse aber nicht mehr retten.

Die Cebit versuchte im Sommer nach drei Jahrzehnten einen Neuanfang mit einem neuen Festival-Format hinzulegen. Auch das konnte die einst weltweit größte Computermesse aber nicht mehr retten.

Landkreis. "Alles, was ausfällt, ist natürlich erst mal negativ", sagt Carola Albes, Chefin des Göttinger Hotels Gebhards. "Wir leben schließlich vom Verkaufen unserer Zimmer und unseres Essens." Das Aus der Cebit sei aber nun mal nicht zu ändern. Und, so Albes: "Die Cebit hatte in den letzten Jahren ohnehin schon stark nachgelassen."

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Früher sei das ganz anders gewesen. "Da gingen die Reservierungen ein Jahr im Voraus ein", erinnert sich die Hotel-Chefin. "Ganze Gruppen haben bei uns gewohnt und wunderbar gegessen, ja regelrecht getafelt. Und um 7 Uhr ging es dann im Gänsemarsch rüber zum Bahnhof." Das seien noch Zeiten gewesen, sagt Albes: "Da waren wir ständig voll belegt, aber mit der Zeit ist das immer mehr zurückgegangen." "Schade", sagt Albes, aber sie könne das plötzliche Aus für die Cebit nachvollziehen. "Das Interesse ist in den letzten Jahren ganz heftig abgeflacht."

Busshuttle zum Bahnhof

Auch Katharina Schüle-Rennschuh, Inhaberin des Göttinger Hotels Rennschuh, erinnert sich noch gerne an die Hochzeiten der Cebit. „Das war damals ein sehr, sehr starkes Geschäft. Wir waren komplett ausgebucht.“ Der Andrang der Messegäste in den Göttinger Hotels war so groß, dass sich die Hoteliers entlang der Kasseler Landstraße zusammentaten und ein Busshuttle einrichteten, das mehrmals täglich zwischen Bahnhof und Hotel Freizeit In pendelte.

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Dann, mit der Expo in Hannover, setzte in der Landeshauptstadt "eine wahnsinnige Bettenschwemme" ein, erklärt Schüle-Rennschuh. "Im Laufe der Zeit hat Hannover sehr stark aufgerüstet, ähnlich wie heute Göttingen." Parallel sei die Cebit immer schwächer geworden. Aussteller, die im Hotel Rennschuh übernachteten, hätten sich immer wieder über die ihrer Meinung nach viel zu hohen Messepreise beschwert. "Und so nahm die Strahlkraft der Messe immer weiter ab", sagt die Hotel-Chefin, die zugleich stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Göttingen ist.

Andere Messen funktionieren besser

Die Folge: „Die Cebit kam bei uns in den letzten drei, vier Jahren eigentlich kaum noch zum Tragen“, sagt Schüle-Rennschuh. Diesen Part eingenommen hätten zumindest teilweise Messen wie Agritechnica, EuroTier und EMO. „Ich weiß von einigen Kollegen, dass sich das bei denen auch so verhält.“ Als sie vom aus der Cebit erfahren habe, habe sie zwar „kurz gezuckt“, sagt die Hotel-Chefin. „Aber eigentlich tangiert uns das nicht mehr.“

Ähnlich sieht das Franz-Josef Otto, Eigentümer des Hotels Der Kronprinz in Fuhrbach: „Die Cebit war bereits in den letzten Jahren sehr stark rückläufig. Von der Messe haben wir kaum noch etwas gemerkt.“ Im Vergleich dazu hätten die ersten Jahre der Computermesse „ganz erheblichen“ Einfluss auf das Geschäft gehabt. Bei der Industriemesse „Hannover Messe“ verhalte es sich da schon anders. Und zur jüngsten EuroTier habe sich „eine ganze Gruppe Chinesen“ im Kronprinzen einquartiert. Aber die Cebit, so Otto: „Da haben wir eigentlich gar nicht mehr partizipiert.“

Von Andreas Fuhrmann

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