Gemeinwohl-Ökonomie

Göttinger werben für weniger Gier in der Wirtschaft

Informieren über die Initiative Gemeinwohl-Ökonomie: Christian Kozina (Universität Graz), Karin Huynh (GWÖ Göttingen), Erwin Wobbe (GWÖ Göttingen), Bendix Balke (GWÖ-Regionalkoordinator Hannover).

Informieren über die Initiative Gemeinwohl-Ökonomie: Christian Kozina (Universität Graz), Karin Huynh (GWÖ Göttingen), Erwin Wobbe (GWÖ Göttingen), Bendix Balke (GWÖ-Regionalkoordinator Hannover).

Göttingen. Verständnis und Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft und Verlässlichkeit, tragen zu einer gelingenden Beziehung bei. Da waren sich die 50, überwiegend älteren Teilnehmer der ersten öffentlichen Veranstaltung der Göttinger Gemeinwohl-Regionalgruppe einig. Gier, Hetze und rücksichtsloser Gebrauch der Ellbogen ließen Beziehungen dagegen scheitern, hielten Zuhörer fest.

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Christian Felber und die Attac-Bewegung

Obwohl eigentlich allen klar sei, wie Menschen miteinander umgehen sollten, finde das in der Wirtschaft nicht ausreichend Berücksichtigung, erklärte Kozina, der als Universitätslektor über Umweltsysteme forscht. Große Teile der Wirtschaft setzten auf „steigende Renditen“ und „zerstörerische Konkurrenz“. Ihnen gelte das Geld als Zweck, nicht als Mittel des Handelns. Dies wolle die vom politischen Aktivisten Christian Felber aus Wien gestartete Initiative ändern. 2010 habe Felber sein Buch „Die Gemeinwohl-Ökonomie“ veröffentlich. Der Ansatz, den er auf der Grundlage von Arbeiten aus den 1990er-Jahren mit Unternehmern aus der globalisierungskritischen Attac-Bewegung entwickelt habe, setze auf Zusammenarbeit. Die Lebensgrundlagen sollten beim Wirtschaften erhalten bleiben.

Gemeinwohlbilanz

Felber, so Kozina, habe eine Gemeinwohlbilanz entwickelt. Ein dickes Handbuch erkläre Unternehmern, wie sie ihren, nur schwer in Zahlen zu fassenden Beitrag zum Gemeinwohl bewerten könnten. Maximal ließen sich 1000 Punkte erzielen. Die vom Unternehmen erstellte Bilanz werde zunächst in einer Gruppe von vier bis sechs anderen Unternehmern erörtert und dann von externen Auditoren noch einmal geprüft. Danach könne das Unternehmen mit dem Zertifikat werben. In Deutschland hätten sich 100 Firmen, darunter der Outdoor-Ausrüster Vaude, sowie vereinzelt auch Kommunen und Schulen, zertifizieren lassen. Weltweit seien es 400 Zertifizierungen.

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Programmierer Erwin Wobbe

Erwin Wobbe, der zu den Initiatoren der Göttinger Regionalgruppe zählt, erfuhr im Februar im Radio von der Initiative. Er fuhr im Mai zu einem Treffen in Hannover und war begeistert von der „erfrischenden Atmosphäre“. Durchmischt sei die dortige Gruppe gewesen. Kleine Ingenieurbüros und Physiotherapiepraxen hätten mitgemacht. Der Sozialdemokrat erkannte Parallelen zu rot-grünen Vorstellungen.

Studentin Karin Huynh

„Die Gemeinwohl-Orientierung könnte einen Beitrag leisten, um Südniedersachsen attraktiv für Fachkräfte zu machen“, ist Wobbe überzeugt, der als Software-Programmierer arbeitet. Karin Huynh, die in Göttingen Erziehungswissenschaften studiert, sah Felber-Videos auf Youtube. Mittlerweile gibt es fünf aktive Mitglieder in Göttingen, darunter auch Grüne und Vertreter der Piraten. Sie wollen ihr erstes öffentliches Treffen nutzen, um weitere Mitstreiter zu finden. Die offizielle Gründung der Regionalgruppe ist im Oktober geplant.

„Wir wollen uns selber tiefer ins Thema einarbeiten, Gewerkschaften an Bord holen, Unternehmen ansprechen und die Stadt Göttingen für eine Gemeinwohlbilanz gewinnen“, kündigt Wobbe an.

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Regionalgruppen-Koordinator Bendix Balke

„In Deutschland gibt es 50 der weltweit 100 Regionalgruppen“, berichtet Bendix Balke, der die deutschen Regionalgruppen koordiniert. Davon seien zwölf seit November 2017 entstanden. Damals habe er das Ehrenamt übernommen, so der evangelische Pfarrer. Stark sei die Initiative in Bayern und Baden-Württemberg. Mittlerweile sei sie auch in den großen, norddeutschen Städten präsent.

Von Michael Caspar

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