Internetnutzung verursacht fast so viel CO₂ wie Flugverkehr

Ein Smartphone wird gehalten. Einer aktuellen Studie nach hilft das Verschicken von kleinen Nachrichten via Messenger besser dabei, in Kontakt zu bleiben, als Videocalls.

Surfen im WLAN ist klimafreundlicher als im LTE-Netz.

Die Internet- und Computernutzung verursacht fast so viel klimaschädliches CO₂ wie der internationale Luftverkehr. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der britischen Universität Lancester. Demnach ist die Informationstechnologie für 2 bis 4 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Der Anteil des internationalen Flugverkehrs liegt je nach Studie bei 3 bis 5 Prozent.

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CO₂-Emissionen der IT werden weiter steigen

Die Autoren gehen davon aus, dass die durch IT verursachten CO₂-Emissionen in Zukunft weiter steigen werden. Grund dafür sind erhöhte Datenmengen, aber auch fehlende Anstrengungen der Branche und der Politik, den ökologischen Fußabdruck in diesem Bereich zu begrenzen.

Das Umweltbundesamt fordert verbindliche Vorgaben von der Politik für Rechenzentren sowie Mobilfunk- und Internetanbieter. Aber auch jeder einzelne kann seinen Internetkonsum ökologischer gestalten.

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Abwärme der Server zum Heizen verwenden

Ein entscheidender Emittent von Treibhausgasen in der IT sind Rechenzentren. Diese werden immer größer, weil mehr Daten genutzt und gespeichert werden. Ihr Betrieb benötigt viel Strom und Wasser. Zwar bemühen sich viele Unternehmen, ihre Rechenzentren mit Ökostrom zu betreiben, was den CO₂-Ausstoß erheblich reduziert. Allerdings stehen derzeit regenerative Energien nur begrenzt zur Verfügung. Wichtig wäre es deshalb laut Umweltbundesamt, die Abwärme, die bei dem Betrieb von Rechenzentren in großen Mengen entsteht, sinnvoll weiter zu nutzen.

So gibt es bereits Bürogebäude, die nur über die Abwärme der Server im eigenen Haus geheizt werden. Aber auch andere innovative Maßnahmen können die CO₂-Bilanz von Rechenzentren erheblich verbessern. So wirbt etwa der Speicherplatzanbieter Windcloud aus dem schleswig-holsteinischen Enge-Sande damit, die Abwärme der Server zu nutzen, um auf dem Dach des Rechenzentrums Algen anzubauen – die wiederum viel CO₂ binden. So kann das Unternehmen sogar CO₂-negativ wirtschaften – es wird also mehr CO₂ eingespart als emittiert.

Würde jedes Rechenzentrum Auskunft über die eigene CO₂-Bilanz geben müssen, könnte das eine starke Auswirkung haben, heißt es vonseiten des Umweltbundesamts. Denn dadurch entstünde Markttransparenz und Verbraucherinnen und Verbraucher könnten sich aktiv für einen grünen Cloudanbieter entscheiden, um zum Beispiel Fotos und Videos zu speichern.

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WLAN ist ökologischer als LTE

Internetnutzerinnen und -nutzer können ihren CO₂-Ausstoß beim Surfen aber auch über die Art der Datenverbindung steuern. Wer eine Stunde im Glasfasernetz Videos streamt, der verbraucht laut Umweltbundesamt durchschnittlich nur zwei Gramm CO₂. Bei einem Kupferkabel (VDSL) sind es schon vier Gramm. Wesentlich klimaschädlicher ist es, mobil zu surfen: So verursacht eine Stunde Videostreaming über eine 4G-LTE-Verbindung im Schnitt 13 Gramm CO₂. Wer kann, sollte also WLAN nutzen, statt mobil Videos zu streamen.

Das Umweltbundesamt kritisiert diesbezüglich auch Datenflatrates für Musik- und Videostreaming. Diese Angebote der Mobilfunkbetreiber setzten Fehlanreize und führten zum Beispiel dazu, dass Nutzerinnen und Nutzer Videotelefonate statt Sprachtelefonate führten. Für einen Videoanruf wird rund fünfmal mehr mobiles Datenvolumen benötigt als für einen einfachen Sprachanruf. Entsprechend höher ist auch der CO₂-Ausstoß.

Ultra-HD-Videos verbrauchen zehnmal mehr Datenvolumen

Überhaupt ist die Videonutzung eine wichtige Stellschraube, an der auch Verbraucherinnen und Verbraucher drehen können. Denn rund 80 Prozent des Datenverkehrs in Deutschland sind bereits Videoinhalte – Tendenz steigend. Dabei verbraucht eine Übertragung in Ultra-HD-Auflösung laut Umweltbundesamt etwa zehnmal mehr Datenvolumen als ein Video in HD-Qualität. Auf Smartphones sei dieser Qualitätsunterschied ohnehin nicht wahrnehmbar. Es lohne sich deshalb, zumindest auf Smartphones eine geringere Videoqualität einzustellen. Außerdem sollten Webseitenbetreiber Videos nicht automatisch abspielen.

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Grundsätzlich hat die zunehmende Digitalisierung aber auch klimaschonende Effekte – wie die Corona-Pandemie zeigt. So setzen viele Unternehmen derzeit auf Videokonferenzen statt Präsenzmeetings. Zwar verursachen auch Videokonferenzen CO₂, die Menge steht aber in keinem Verhältnis zu den Emissionen, die ein Flug, eine Bahn- oder Autofahrt zum Konferenzort erzeugt hätte.

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