Meeresspiegelanstieg und Extremwetterereignisse

Neuseeland entwickelt Generalstabsplan gegen „enorme Klimastörung“

Ein Mitglied der neuseeländischen Verteidigungskräfte rettet einen Hund aus den Fluten, während sie einer Familie bei der Evakuierung in der Nähe von Ashburton auf der Südinsel Neuseelands helfen. Mehrere Hundert Menschen in Neuseeland mussten im Mai vergangenen Jahres aus ihren Häusern evakuiert werden.

Ein Mitglied der neuseeländischen Verteidigungskräfte rettet einen Hund aus den Fluten, während sie einer Familie bei der Evakuierung in der Nähe von Ashburton auf der Südinsel Neuseelands helfen. Mehrere Hundert Menschen in Neuseeland mussten im Mai vergangenen Jahres aus ihren Häusern evakuiert werden.

Schreitet der Klimawandel und damit der Anstieg des Meeresspiegels mit großen Schritten voran, so wird die Pazifikregion besonders leiden. Viele der tiefliegenden Pazifikinseln sind schon jetzt gefährdet, da sie im Durchschnitt nur zwei Meter über dem Meeresspiegel liegen. Schon heute haben Überschwemmungen und Sturmfluten in Staaten wie Kiribati viel Land unbrauchbar gemacht, Süßwasserbrunnen versalzt und Ernten zerstört.

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Im Pazifik könnte der steigende Meeresspiegel zahlreiche kleinere Inselstaaten unbewohnbar machen. Doch auch die regionalen Schwergewichte Australien und Neuseeland stehen vor großen Herausforderungen. In Australien etwa haben Sturmfluten bereits Häuser in Küstennähe unterspült.

In Neuseeland weist eine Statistik auf einen besonders besorgniserregenden Trend hin: So zeigt ein aktueller Bericht der Statistikbehörde Stats NZ, dass der Meeresspiegel vor Neuseeland in den letzten 60 Jahren doppelt so schnell gestiegen ist wie noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Dies gefährdet wichtige Bauten im Land: Ein Report der neuseeländischen Lokalregierungen berechnete 2019 bereits, dass Infrastruktur im Wert von 14 Milliarden Neuseeländischen Dollar, umgerechnet über 8 Milliarden Euro, überschwemmt werden könnte.

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10.000 Häuser nicht mehr versicherbar

Neuseeland besteht aus zwei Hauptinseln: Die größten Städte liegen allesamt an den Küsten des Landes. Einer von sieben Neuseeländern, rund 675.000 der etwa fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, lebt in einer Region, die anfällig für Überschwemmungen ist. Über 70.000 sind nach Recherchen von Radio New Zealand einem extremen Anstieg des Meeresspiegels ausgesetzt.

In einem von der neuseeländischen Regierung finanzierten Bericht, den die nationale Wissenschaftskooperation Deep South Challenge veröffentlicht hat, heißt es, dass mindestens 10.000 Häuser in den größten Städten Neuseelands bis 2050 faktisch nicht mehr versicherbar wären. „Landesweit befinden sich rund 450.000 Häuser im Umkreis von einem Kilometer von der Küste“, hieß es in dem Bericht aus dem Jahr 2020. Diese Häuser werden höchstwahrscheinlich von häufigeren und intensiveren Stürmen und dem Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein. Letzterer führt beispielsweise dazu, dass Sturmfluten weit ins Landesinnere vordringen.

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Problemkind Wellington

Der aktuelle Report von Stats NZ zeigt, dass sich die Rate, mit der der Meeresspiegel gestiegen ist, zwischen 1961 und 2020 verdoppelt hat, verglichen mit der Durchschnittsrate von 1901 bis 1960. Betroffen waren drei von vier überwachten Standorten: Neuseelands Hauptstadt Wellington ist dabei ein besonderes Problemkind. Die Stadt, die auch noch direkt auf einer Erdbebenspalte gebaut ist, ist nicht zuletzt wegen der großen Fläche an rückgewonnenem Land gefährdet. In den letzten 60 Jahren verzeichnete Wellington mit 2,84 Millimetern pro Jahr zudem den größten Meeresspiegelanstieg. Die zwei anderen Orte – Lyttelton und Dunedin, die sich beide auf der Südinsel Neuseelands befinden – sind ebenfalls von einem schneller ansteigenden Meeresspiegel betroffen.

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Geologische Prozesse und auch menschliche Aktivitäten können zu einer Veränderung des Meeresspiegels beitragen, doch laut des aktuellen Berichts ist der Klimawandel eine der Hauptursachen für den Anstieg des Meeresspiegels. Treibhausgasemissionen erwärmen die Erdatmosphäre, der Ozean wiederum absorbiert diese Wärme. Durch die Erwärmung dehnt sich das Meerwasser aus, der Meeresspiegel steigt an. Zusätzlich dazu schmelzen Gletscher und Eisschilde ab und tragen damit ebenfalls zur Erhöhung des Meeresspiegels bei. Prognosen würden zudem zeigen, dass der Meeresspiegel künftig noch weiter ansteigen werde, sagte Michele Lloyd von der neuseeländischen Statistikbehörde. „Steigende Meeresspiegel wirken sich auf Küstengemeinden, Infrastruktur, Küstenlebensräume und Biodiversität aus“, warnte die Expertin von Stats NZ.

Generalstabsplan gegen den Klimawandel

Die neuseeländische Regierung hat inzwischen einen nationalen Plan aufgestellt, um das Land auf mehr klimabedingte Katastrophen, einschließlich eines Meeresspiegelanstiegs, vorzubereiten. Als der neuseeländische Klimaminister James Shaw den Plan im August vorstellte, betonte er, dass Neuseeland trotzdem sein Bestes tun werde, Emissionen zu reduzieren. Derzeit will das Land seine Treibhausgase bis 2030 um 50 Prozent unter das Niveau von 2005 reduzieren. Ein Nullemissionsziel ist für 2050 angestrebt. Doch gleichzeitig will sich das Land laut Shaw auch auf das wahrscheinliche Szenario einer „enormen Klimastörung“ vorbereiten.

Dafür sei es „entscheidend“, dass das Land sich wappne, sagte der Minister. Denn die Bevölkerung hätte bereits am eigenen Leib erlebt, wie die Lage sich entwickeln könne. Unwetterereignisse, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen, würden jetzt in einer Geschwindigkeit und Intensität auftreten wie noch nie zuvor. Beispielsweise musste Neuseeland in den vergangenen Jahren schwere Überschwemmungen bekämpfen. Erst im August überfluteten große Teile der Südinsel, Hunderte Neuseeländer und Neuseeländerinnen mussten aus ihren Häusern evakuiert werden.

Shaws landesweiter Plan sieht vor allem vor, Bürgerinnen und Bürger in der Zukunft besser über mögliche Gefahren zu informieren. Beispielsweise sollen Gemeinden potenzielle Käufer und Käuferinnen von Eigenheimen über Klimarisiken informieren und es soll öffentliche Portale geben, die aktuelle Informationen über die Klimakrise geben und gleichzeitig aufzeigen, wie einzelne Bereiche betroffen sein könnten.

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