Experiment zeigt: Babys teilen ihr Essen – auch wenn sie Hunger haben

Immerhin jedes dritte Baby half dem Fremden: Es hob das Stück Obst auf und reichte es dem Forscher, damit er Nahrung hatte.

Immerhin jedes dritte Baby half dem Fremden: Es hob das Stück Obst auf und reichte es dem Forscher, damit er Nahrung hatte.

Hannover. Wie selbstlos sind Kleinkinder, wenn es ums Essen geht? Vor allem, wenn sie selbst hungrig sind? Das untersuchten Forscher der Universität Washington und kamen zu einem positiven Ergebnis. Im Fachblatt „Scientific Reports“ veröffentlichte das Team nun seine Ergebnisse.

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Für die Untersuchung saßen sich ein Forscher und ein anderthalbjähriges Kind gegenüber – ein zu dem Zeitpunkt hungriges Kind. Der Forscher präsentierte vier Schälchen mit Früchten – ein Stück Banane, eine Blaubeere, eine halbe Traube und ein Stück Erdbeere – und signalisierte, diese essen zu wollen. Scheinbar aus Versehen lässt der Forscher ein Stück Obst vor die Füße des Kindes fallen. Wortlos bemüht er sich, die Nahrung aufzuheben, doch vergebens. Was tut das Kind in dieser Situation? Es hilft – und schnappt sich nicht das Obst, um es selbst zu essen.

Je verzweifelter der Erwachsene, desto größer die Hilfe

Jedes dritte Baby half dem Fremden: Sie hoben das Stück Obst auf und reichten es dem Forscher. Ein weiterer Versuch wurde bei Kindern, die keinen Hunger hatten, durchgeführt. Hier halfen sogar noch mehr – mehr als die Hälfte der Kinder gab dem Forscher sein Obst wieder. Für den Test wurde das Verhalten von rund 100 anderthalbjährigen Babys untersucht.

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Wie hilfsbereit das Kind war, hing jedoch entscheidend vom Verhalten des Erwachsenen ab. Versuchte der Forscher, an das heruntergefallene Obst heranzukommen, wollten die Kinder spontan dabei helfen. Wenn der Erwachsene keine Anstalten machte, sein Essen wiederzubekommen, und reglos sitzen blieb, machten auch die Kinder keine Anstalten zu helfen.

Wenn die Kinder dem Fremden halfen, taten sie es spontan und wiederholten die Hilfe in den nachfolgenden Tests – ein positives Ergebnis für die Forscher. Es zeigt, dass Hilfsbereitschaft nicht antrainiert oder erlernt werden muss.

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Wer Essen verschenkt, ist gut

Für die Forscher steht außerdem fest, dass selbst Anderthalbjährige selbstlos handeln können, auch wenn es zu ihrem eigenen Nachteil ist und sie den Begünstigten nicht kennen. Sie verschenkten das, was sie sich eigentlich gerade wünschten: Dieses Verhalten nennt man Altruismus, ein hohes Gut in der heutigen Gesellschaft.

„Selbstlosigkeit ist eine entscheidende menschliche Eigenschaft und ein wichtiger Teil des moralischen Gefüges unserer Gesellschaft“, sagt Rodolfo Cortes Barragan, einer der Studienautoren, in einer Pressemitteilung. Und der „Geist des Gebens“ beginnt bereits im Säuglingsalter.

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Unter Menschen ist das Weitergeben von Nahrung weit verbreitet, vermutlich haben wir es sogar perfektioniert. Es gibt laut Forschern einige Lebewesen, die unter bestimmten Bedingungen ihre Nahrung weitergeben und teilen können. Primaten wie Schimpansen oder Bonobos sind allerdings nur bedingt altruistisch – und das trotz der sozial-kognitiven Gemeinsamkeiten mit dem Menschen.

Altruismus ist formbar

Die Forscher fanden auch heraus, dass Kinder, die Geschwister haben, eher helfen. Das deute darauf hin, dass Altruismus formbar sei. Auch frühere Studien an Erwachsenen zeigten, dass bestimmte familiäre und soziale Erfahrungen Menschen unterschiedlich handeln lassen. Für Barragan muss weiter erforscht werden, wie der Altruismus von Kinder gefördert werden kann, denn ein Maximum an Selbstlosigkeit bereits im Kindesalter könnte zu einer fürsorglicheren Gesellschaft führen.

RND/Alice Mecke

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