„Ich habe versagt“: Wie Sie sich schneller mit Ihrem inneren Kritiker versöhnen

Distanz zum eigenen inneren Kritiker zu gewinnen kann das Leben leichter machen.

Distanz zum eigenen inneren Kritiker zu gewinnen kann das Leben leichter machen.

Sind Sie auch schon mal in Kontakt mit Ihrem inneren Kritiker gekommen? Mit so einer inneren Stimme, die Ihnen ungefragt und unerbittlich vermittelt, dass Sie wieder mal versagt haben, nicht nett genug waren, keine gute Mutter waren, keinen guten Job gemacht haben. Wenn wir solche Sätze innerlich lediglich hören würden, ohne ihnen Glauben zu schenken, würde dadurch unser gutes Lebensgefühl kaum getrübt werden. Doch dummerweise lösen solche Gedanken oft Gefühle aus, die wir meist nicht gerade als angenehm empfinden. So kann sich leicht Mutlosigkeit, Traurigkeit oder Verbitterung zeigen. Wie geht es einem damit?

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Wir verdrängen, betäuben uns, lenken uns ab oder laufen weg. Kurzfristig mögen diese Methoden helfen – langfristig eher nicht. Dabei wissen wir doch: Verstoßene Gefühle gehen in den Keller, üben dort mit Hanteln und kommen gestärkt wieder an die Oberfläche.

Gefühle anderer objektiver einordnen

Nun stellen Sie sich vor, ein uns nahestehender Mensch würde sich Ihnen anvertrauen und von seinen abwertenden und belastenden Gedanken berichten. Oft wird man feststellen, dass wir damit viel gelassener umgehen können. Wir haben meist eine viel größere emotionale Distanz und können die Gefühlslage anderer objektiver einordnen und reflektieren.

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Diese Tatsache haben die Psychologen Jason Moser und Ethan Kross von der Michigan-State-Universität als Basis für ihre Hypothese genommen: Das Verbalisieren von Gedanken und Gefühlen ist weniger belastend, wenn es in der dritten Person erfolgt. Man sollte also nicht sagen „Ich bin traurig“, sondern sich selbst beim Vornamen nennen.

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So würde beispielsweise Tina sagen „Tina ist traurig“. Man muss das nicht laut tun, es reicht, wenn man es in Gedanken sagt. „Wir dachten, wenn die Leute in der dritten Person Bezug auf sich nehmen, betrachten sie sich selbst eher so, wie sie eine andere Person sehen“, erläutert Moser die Ausgangshypothese der Forscher. „Selbstreflexion in der dritten Person könnte helfen, psychologische Distanz zu Erlebnissen zu gewinnen. Das wiederum könnte nützlich sein für die Regulierung negativer Emotionen.“

In der dritten Person mit sich selbst sprechen

Das Team um Jason Moser zeigten Versuchspersonen verschiedene Bilder, die entweder einen neutralen Inhalt hatten oder beunruhigend waren. Während die Probanden die Bilder betrachteten und darüber reflektierten, wurden sie dazu aufgefordert, entweder in der ersten oder in der dritten Person mit sich selbst zu reden. Gleichzeitig wurden die Gehirnströme der Probanden mittels der Elektroenzephalografie (EEG) aufgezeichnet. Bei der Auswertung zeigte sich, dass sich Personen, wenn sie in der dritten Person mit sich selbst sprachen, schneller beruhigten als die Ich-Form-Nutzer.

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Auch bei einem anderen Experiment verhalf das Denken in der dritten Person zu einer entspannteren Sichtweise: Wenn die Probanden in der dritten Person über negative Erlebnisse nachdachten, war die Hirnregion, von der man annimmt, dass sie für die Verarbeitung negativer Emotionen verantwortlich ist, weniger aktiv, als wenn sie in der ersten Person mit sich selbst sprachen. Die Forschenden gehen davon aus, dass sie damit eine relativ einfache Möglichkeit gefunden haben, mit der wir wieder schnell in ein emotionales Gleichgewicht kommen können. Innere Distanz zu sich selbst kann das Leben so leichter machen.

Der Autor ist zu erreichen unter www.achtsamkeit-und-co.de.

In der Kolumne „Auf der Couch“ schreiben wechselnde Experten zu den Themen Partnerschaft, Achtsamkeit, Karriere und Gesundheit. Martin Wehrle ist Karriereberater.

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