Kulturgenuss der besonderen Art: So gelingt die Pilzzucht zu Hause

Wer im Wald Pilze sucht, muss ständig aufpassen, sie nicht zu verwechseln. Das kann in der eigenen Pilzzucht zu Hause nicht passieren.

Das größte Risiko beim Pilzesammeln ist die Verwechslungsgefahr: Immer wieder landeten auch ungenießbare oder sogar giftige Pilze auf dem Teller, warnt Roswitha Koch, Gartenberaterin beim Verband Wohneigentum: „Man sollte die Pilze gut kennen, sonst lässt man besser die Finger davon.“ Bleibt also nur der gut sortierte Gemüseladen für Pilzliebhaber? Nicht, wenn man Garten oder Balkon hat. Dort lassen sich Pilze gut selbst züchten – und das ist kein Hexenwerk.

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Grundkenntnisse und Geduld sind gefragt

Die Eigenzucht besitze viele Vorteile, sagt Alexander van Burgeler, Inhaber der Pilzmanufaktur Pilzwald: „Man kann zum Beispiel Sorten züchten, die im Einzelhandel nicht erhältlich sind.“ Hagen Breck vom Anbieter Pilzmännchen ergänzt: „Frisch geerntete Pilze haben ein ausgezeichnetes Aroma.“ Hinzu kommt: Wenn die Pilzzucht gut gepflegt wird, ist sie unabhängig von Witterungsbedingungen. Im besten Fall sind sogar mehrere Ernten im Jahr möglich.

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Pilze zu züchten stelle zwar keine große Herausforderung dar, erfordere aber Know-how, sagt Stefan Fischer von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie: „Ein bisschen auskennen sollte man sich schon.“ Der Arbeitsaufwand ist meist gering. Doch man müsse geduldig sein, betont Fischer.

Für die Pilzzucht findet sich fast immer eine Ecke. Vorteilhaft sind feuchte und windgeschützte Orte. Weil Pilze keine Photosynthese betreiben, benötigen sie kaum Licht. „Deshalb sind sie auch keine Konkurrenz für Blumen oder Gemüse“, sagt van Burgeler.

Totes, organisches Material als Brutstätte

Gartenfachmärkte und Onlinehändler bieten unter anderem Pilzbrut, Substratbrut, Impfstäbchen, Körnerbrut und Fertigkulturen an. „Unseren Produkten liegt immer eine verständliche und bebilderte Pilzzuchtanleitung bei“, betont Hagen Breck. Bei Fertigkulturen handelt es sich um Substratblöcke, die zum Beispiel in eine Schale gegeben werden und aus denen bereits nach wenigen Tagen Pilze wachsen, zum Beispiel Champignons. Allerdings gedeihen diese nur bei warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Außerdem sind in der Regel nur vier bis fünf Ernten möglich.

Für alle Pilzkulturen ist ein geeigneter Nährboden wichtig. „Speisepilze, die sich züchten lassen, wachsen auf totem, organischen Material“, erklärt Züchter van Burgeler. Das kann zum Beispiel ein Strohballen sein, in den Löcher für die Pilzbrut gestochen werden. Anschließend sollte auf ausreichende Feuchtigkeit geachtet werden.

Bei einer Temperatur von über 20 Grad ist die erste Ernte bereits nach etwa zehn Wochen möglich. Auch Kaffeesatz ist ein geeignetes Substrat, etwa für Limonenpilze oder Kräuterseitlinge. Die Pilzbrut wird darauf fein zerbröselt und damit vermischt. Anschließend wird das Substrat abgedeckt und ständig feucht gehalten. Sobald das Substrat vollständig mit Pilzfäden durchzogen ist, kann der Deckel abgenommen werden. Die Umgebungstemperatur sollte mindestens zehn Grad betragen.

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Kaffeesatz ist ein geeignetes Substrat für Kräuterseitlinge.

Kaffeesatz ist ein geeignetes Substrat für Kräuterseitlinge.

Einige Pilzsorten können auch im Beet gezüchtet werden – am besten unter Büschen und Laubbäumen und in der Nähe eines Komposthaufens. In eine etwa 15 Zentimeter tiefe Grube wird zuvor eingeweichtes Substrat eingebracht. Anschließend werden Pilzbrutdübel hineingedrückt und dann das Substrat mit etwa drei Zentimetern Mutterboden oder Komposterde abgedeckt. Die Temperatur sollte zwischen zehn und 25 Grad betragen und das Substrat feucht, aber nicht zu nass sein. Eine Ernte ist nach einigen Monaten möglich – auch mehrmals im Jahr.

Austernseitlinge als Einstieg

Stämme gefällter Laubbäume können ebenfalls für die Pilzzucht verwendet werden. „Der Durchmesser sollte mindestens 40 Zentimeter betragen“, empfiehlt van Burgeler. Das Holz sollte möglichst frisch geschlagen sein, damit sich nicht bereits Pilzkulturen angesiedelt haben. Andererseits sollte es sechs bis acht Wochen abgelagert sein, weil sich dann Antipilzstoffe abgebaut haben. Holz, das im Winter geschlagen wird, enthält besonders viele Nährstoffe. Der Stamm wird an einem schattigen, feuchten und schneckenfreien Platz ein paar Zentimeter tief in die Erde eingegraben. Besonders gut wachsen darauf Austernseitlinge. „Das ist ein guter Einsteigerpilz, weil er sehr konkurrenzfähig ist und auch unter schlechten Bedingungen wächst“, sagt van Burgeler.

Die Pilzbrut wird in Form von Dübeln geliefert, die in gebohrte Löcher gesteckt werden. Dieser Vorgang wird als Impfen bezeichnet. Pflege ist anschließend kaum nötig, der Stamm darf aber nicht austrocknen. Wurde im Frühjahr geimpft, ist die erste Ernte im besten Fall im Herbst möglich.

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Pilzbrut in Form von Dübeln wird in gebohrte Stammlöcher gesteckt.

Pilzbrut in Form von Dübeln wird in gebohrte Stammlöcher gesteckt.

Info: kleine Pilzkunde

Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere, sondern eine eigene Spezies. Viele Arten leben in Symbiose mit anderen Lebewesen. Pfifferlinge und Steinpilze zum Beispiel wachsen nur in der Nähe von Bäumen. Die meisten Waldpilze sind deshalb für eine Zucht im eigenen Garten ungeeignet. Alle Pilze bilden feine Fäden, das sogenannte Myzel. Dieses breitet sich vor allem im Boden aus – manchmal kilometerweit. Ihre Fruchtkörper können verzehrt werden. Sie gelten als gesund, weil sie kaum Fett und Kohlenhydrate, aber viel Eiweiß, Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe enthalten. Bei selbst gesammelten Pilzen besteht oft Verwechslungsgefahr: Viele genießbare Pilze haben ungenießbare oder sogar giftige Doppelgänger. Supermarktware lässt es oft an Aroma vermissen.

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