Partner, Freunde, Familie: Wie weit darf die Fürsorge um andere gehen?

Warum scheint uns die Fürsorge leichter zu fallen als die Selbstfürsorge?

Das Wohl naher Angehöriger und enger Freunde ist uns oft wichtiger als unser eigenes. Zumindest wenn es um Dinge wie die eigene Gesundheit, eine ungesunde Beziehung oder einen zermürbenden Job geht. In meiner Praxis erlebe ich das oft bei Paaren. Meist ist es die Frau, die sich beispielsweise um die Gesundheit des Mannes sorgt. Er wiederum möchte davon nichts hören, geschweige denn, diese von einem Fachmann untersuchen lassen.

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Doch auch andere Personenkonstellationen haben ähnlich gelagerte Themen. Wie oft versuchen erwachsene Kinder ihre alternden Eltern von einem Arztbesuch zu überzeugen, um ein Leiden untersuchen zu lassen. Und selbst in engen Freundschaften wird oft der Versuch gestartet, das Gegenüber mit sanftem Druck davon zu überzeugen, dass die Beziehung ungesund oder der Job nicht passend sei. Warum aber scheint uns die Fürsorge einfacher zu fallen als die Selbstfürsorge? Und wie weit darf diese Besorgnis um andere gehen?

Ablenkung von sich selbst durch Kümmern um andere

Allerdings gibt es eine Grenze, die es zu respektieren gilt – und zwar die unseres Gegenübers.

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Der Grund, dass es uns oft leichter fällt, uns um andere zu kümmern, ist nachvollziehbar. Denn geht es nicht um uns selbst, ist es meist weniger schmerzhaft. Solange wir unseren Fokus auf andere richten, brauchen wir bei uns selbst nämlich nicht nachzuschauen, ob und wenn ja, was im Argen liegen könnte. Die andere Seite ist, dass uns die Dankbarkeit anderer einfach guttut, was absolut nicht verwerflich ist. Im Gegenteil, es ist ein schöner Akt der Menschlichkeit, wenn wir um das Wohl unserer Mitmenschen bemüht sind.

Allerdings gibt es eine Grenze, die es zu respektieren gilt – und zwar die unseres Gegenübers. Genau hier liegt die Schwierigkeit, denn der Grad zwischen Fürsorge und der persönlichen Grenze des anderen ist schmal. Generell gilt, dass jeder (der physisch und psychisch dazu in der Lage ist) für sein eigenes Leben und somit auch für seine Gesundheit, die Liebe, den Job und vieles mehr selbst verantwortlich ist. Die Gründe, warum jemand in welcher Hinsicht auch immer nichts ändern möchte, können mannigfaltig sein. Doch egal wie sie lauten, es sind die des anderen und diese gilt es zu akzeptieren.

Die Grenzen des Gegenübers akzeptieren

Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe.

Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe.

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In dieser Akzeptanz spiegelt sich wiederum der Respekt, dem wir unserem Gegenüber zollen. Betrachten wir die Sache doch einmal von der anderen Seite. Wenn ich denke, dass ich besser weiß, was meinem Gegenüber guttut, stelle ich mich gewissermaßen über ihn. Das kann sich für den anderen nicht nur übergriffig anfühlen, nüchtern betrachtet ist es das auch. Egal wie schwer es uns fällt, eine andere Entscheidung zu akzeptieren, jemanden zu etwas zu drängen ist sicher der falsche Weg.

Ein respektvollerer und wahrscheinlich effizienterer Weg kann folgender sein: Wir teilen dem anderen ganz offen und ehrlich mit, dass uns sein/ihr Wohlergehen wichtig ist und dass wir sehr gerne noch viele schöne Jahre mit ihm oder ihr verbringen möchten. Das erzielt eine ganz andere Wirkung. Ebenfalls hilfreich ist es, wenn wir an deren Fürsorge appellieren. Drehen wir den Spieß nämlich um, und fragen, was sie an unserer Stelle tun würden, verhelfen wir ihnen dazu, die Situation aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten. Und nebenbei aktivieren wir so ihr Gefühl der Fürsorge uns gegenüber, was wahre Wunder bewirken kann.

Wahre Wunder können übrigens auch bewirkt werden, wenn wir uns etwas mehr um uns selbst kümmern und mit uns ebenso liebevoll umgehen wie mit anderen. Aber das ist Stoff für einen anderen Artikel. ;)

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein Buch “Der Liebescode” ist 2019 im Handel erschienen.

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