Waldbrände im Mittelmeerraum: Auswirkungen auf die CO₂-Emissionen?

Stark ausgetrocknete und verbrannte Wälder könnten nicht mehr so viel CO₂ aus der Atmosphäre entfernen und binden wie vorher, was wiederum die globale Erwärmung weiter begünstige.

Stark ausgetrocknete und verbrannte Wälder könnten nicht mehr so viel CO₂ aus der Atmosphäre entfernen und binden wie vorher, was wiederum die globale Erwärmung weiter begünstige.

Hannover. In der Türkei, in Griechenland und Italien wüteten in den vergangen Wochen schlimme Waldbrände. Riesige Flächen Wald wurden zerstört – Schätzungen zufolge wurden in der gesamten Türkei etwa 150.000 Hektar Land zerstört, in Griechenland 90.000. Menschen in allen drei Ländern verloren durch die Flammen ihr Leben. So extrem wurden die Brände durch „große, sehr intensive und sich schnell ausbreitende Feuer, welche die Feuerwehren vor bisher noch nie gekannte Herausforderungen stellte“, erklärt Forscherin Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

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Die Brände haben aber auch Auswirkungen auf das Klima. So wurden allerhand schädliche Stoffe, wie „sehr viel CO₂, andere Treibhausgase, wie Methan und auch Aerosole, wie Rußpartikel“ freigesetzt, erklärt Thonicke. „Das beeinträchtigt natürlich die Luftqualität in den Regionen.“ Auch Tausende Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt sind die Auswirkungen noch zu spüren. Eine weitere unmittelbare Konsequenz der Brände sei, dass „wertvoller Naturraum für Mensch und Tier“ verloren gehe.

CO₂-Werte sind noch im Rahmen

Was bedeutet das nun für die CO₂-Bilanz in Griechenland, der Türkei oder Italien? Hier gebe es trotz der Extremereignisse – zunächst – Entwarnung, sagt Thonicke. „Trotz aller extremen Feuerereignisse in den zurückliegenden Wochen und Monaten, sind die globalen Feueremissionen immer noch in dem Schwankungsbereich, wie wir ihn in den letzten 20 Jahren weltweit beobachtet haben.“ Die Waldbrände im Mittelmeer fallen hier nicht so sehr ins Gewicht.

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Dennoch müsse man die Regionen nun „genau im Blick haben“ und erheben, wie viel Boden verbrannt und wie viel Biomasse dabei zerstört wurde. Denn neben der kurzfristigen Freisetzung von Treibhausgasen, können Waldbrände auch langfristige Auswirkungen haben, weil der Boden dann zukünftig nicht mehr so viel CO₂ speichern könnte.

Brände werden durch den Klimawandel extremer

Insgesamt hat die Intensität von Bränden laut Experten und Expertinnen in den vergangenen drei Jahren stark zugenommen. Das wurde laut Thonicke unter anderem durch den „Klimawandel und die Entwaldung, insbesondere durch die Waldschneisen in tropischen Wäldern“ begünstigt. Für die Zukunft sei es laut der Expertin weltweit „leider“ bereits vorhersagbar, dass „wir weiter mit extremen Feuern zu kämpfen haben und mit erhöhten Emissionen durch Waldbrände rechnen müssen“.

Besorgniserregend sei die Lage etwa in Brasilien und Sibirien, wo die Auswirkungen durch extreme Waldbrände klimatisch schon deutlicher werden. Denn die zerstörten Flächen an Wald sind immens und die dadurch freigesetzten Mengen an Treibhausgasen laut Thonicke „einfach höher“ als etwa im Mittelmeerraum. Viele verbrannte Flächen seien dort mittlerweile stark ausgetrocknet und könnten nicht mehr so viel CO₂ aus der Atmosphäre entfernen und binden wie zuvor, was wiederum die globale Erwärmung weiter begünstige.

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Emissionen: Sibirien bereits „kritisch“

Vor allem in Sibirien ist die Lage kritisch. Die Folgen von Waldbränden hätten bereits negative Auswirkungen auf die CO₂-Bilanz, „hier haben die Emissionen jedes Jahr zugenommen“, sagt Thonicke. Millionen Hektar Wald seien in den vergangenen Jahren komplett zerstört worden. „Aufgrund der Größe und aufgrund der Biomasse, die dort vorhanden ist, ist die Region schon kritisch zu beobachten“, so Thonicke. Für die nächsten zwei Jahre sei laut Expertinnen und Experten nun in Sibirien entscheidend, wie gut sich die Wälder erholen können – dafür spiele auch der Permafrost eine entscheidende Rolle, sagt Thonicke. Das Auftauen des Frosts setze große Methan frei und lasse Boden absacken.

Seit Juni seien durch das Feuer in Sibirien 505 Mega­tonnen Kohlen­dioxid emittiert worden, sagte Mark Parrington vom Kopernikus-Atmosphären­überwachungs­dienst der EU der Nachrichten­agentur Reuters: „Das ist jetzt schon mehr als der Rekordwert von 450 Megatonnen, der während der gesamten Wald­brand­saison in Jakutien im vergangenen Jahr ausgestoßen wurde.“ Um die Tragweite der Zahlen zu verdeutlichen, zieht der Experte einen Vergleich: Die 450 Megatonnen freigesetztes Kohlendioxid entsprächen den Emissionen, die der gesamte Benzin­verbrauch in Mexiko im Jahr 2018 verursacht habe.

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