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Studie macht Vorschlag

rex, regina, imperator: Gab es drei Tyrannosaurus-Arten?

Ein Tyrannosaurus imperator attackiert eine Herde Triceratops horridus (Symbolbild).

Der gewaltige Tyrannosaurus rex ist wohl der bekannteste Dinosaurier weltweit – und die einzige Art der Gattung Tyrannosaurus. Nun schreiben Forscher, es gebe eigentlich drei Tyrannosaurus-Arten. Im Fachblatt „Evolutionary Biology“ begründen sie ihre Forderung mit auffälligen anatomischen Unterschieden zwischen verschiedenen T.-rex-Exemplaren. Dabei geht es um die Form des Oberschenkelknochens und die Anzahl bestimmter Frontzähne im Unterkiefer.

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Spätestens seit dem Film „Jurassic Park“ von 1993 ist der Raubsaurier T. rex berühmt. Der „König der Tyrannenechsen“ – so die Übersetzung des Namens – lief auf zwei Beinen, war bis zu 13 Meter lang und bis zu sieben Tonnen schwer. Er lebte am Ende der Kreidezeit über einen Zeitraum von etwa zwei bis drei Millionen Jahren, bis die Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren ausstarben. „Tyrannosaurus rex ist der Star unter den Dinosauriern“, sagt Bernd Herkner, Direktor des Naturhistorischen Museums Mainz. „Es ist einer der wenigen Dinosaurier, dessen vollständiger Artname allgemein bekannt ist.“

Zwei weitere Tyrannosaurus-Arten?

Doch dieser Artname gerät nun in die Diskussion: Nach der Analyse von 37 T.-rex-Funden aus Nordamerika schlägt der US-Paläontologe Gregory Paul zusammen mit zwei weiteren Forschern vom College of Charleston eine grundlegende Änderung vor: Demnach wäre T. rex nur noch eine von drei Tyrannosaurus-Arten.

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Das Team begründet dies vor allem mit der auffälligen Varianz der gebogenen Oberschenkelknochen. Bei diesen schwanke das Verhältnis von Länge zu Umfang um 30 Prozent, was für eine Spezies extrem viel sei. Die Autoren unterscheiden dagegen zwischen sehr robusten und eher grazilen Oberschenkelknochen.

Oberschenkelknochen ist wichtiges Merkmal

Gerade dieser Knochen hat für Paläontologen eine besondere Bedeutung: „Der Oberschenkelknochen ist vor allem bei auf zwei Beinen laufenden Dinosauriern ein wichtiges Merkmal, das Folgerungen zu Gewicht, Körperbau und Fortbewegung zulässt“, sagt der Mainzer Experte Herkner.

Dass die Dicke von der Wachstumsphase – also dem Alter des jeweiligen Tieres – abhing, schließen die Forscher aus, denn mit der Länge des Knochens korreliere sie bei den analysierten Funden nicht. Auch vom Geschlecht sei sie wohl nicht abhängig, denn die robuste Variante tauche nicht ähnlich häufig auf wie die grazile Form, sondern mehr als doppelt so oft.

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Verschiedene Frontzähne bei Dino-Funden

Stattdessen betont das Team einen anderen Zusammenhang: In unteren, älteren Fundschichten wurden demnach bislang ausschließlich robustere Knochen gefunden, in jüngeren Schichten dagegen zusätzlich auch die schlankere Variante. Das deuten die Forscher als Hinweis darauf, dass sich die ursprüngliche Art im Laufe der Jahrmillionen in zwei Arten aufgespalten hat.

Zweites Argument sind die Zähne der Tiere: Hier treten bei älteren T.-rex-Funden zwei spezielle Frontzähne im Unterkiefer auf. Bei jüngeren ist es dagegen den Forschern zufolge häufig nur ein einzelner solcher Zahn – und diese Tiere weisen eher grazile Oberschenkelknochen auf. Allerdings standen den Forschern nur zwölf Exemplare zur Verfügung, die sowohl solche Zähne als auch Oberschenkelknochen enthielten.

Paläontologie richtet sich nach dem Aussehen

„Das ist eine sorgfältige Analyse, die die Argumentation für verschiedene Arten durchaus rechtfertigen kann“, sagt Herkner. „Es wäre ohnehin überraschend, dass eine Gattung über Millionen Jahre lebt und daraus nur eine einzige Art hervorgeht.“ Allerdings sei der Artbegriff in der Paläontologie ohnehin problematisch.

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In der Biologie spricht man gewöhnlich von einer Art, wenn ihre Vertreter unter natürlichen Bedingungen fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen können. In der Paläontologie, wo sich dies nicht überprüfen lässt, richte man sich dagegen nach der Morphologie, also dem Aussehen. „Ob die wissenschaftliche Gemeinschaft den Vorschlägen folgt, muss sich zeigen“, sagt Herkner.

Fundschichten minuziös statistisch analysieren

Der Paläontologe Martin Sander von der Universität Bonn bewertet die Chancen für eine Änderung der Nomenklatur skeptisch. „Das ist grundsätzlich eine gute Sache, aber es steht noch auf zu schwachen Füßen“, sagt er. Die Studie sei ein Anfang, reiche heutzutage aber für eine Änderung der Namensgebung bei Weitem nicht aus. „Dafür sind moderne Methoden erforderlich“, sagt Sander.

Dabei müssten die einzelnen Merkmale samt der Fundschichten minuziös statistisch analysiert und detailliert zueinander in Beziehung gesetzt werden, sodass ein Stammbaum entstehe. Beispielsweise müsse man zur Bestimmung des Altersstadiums der Tiere die Mikrostruktur der Knochen genau unter die Lupe nehmen.

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Extrem individueller Körperbau?

Hauptautor Paul und seine Kollegen schließen nicht aus, dass die genannten Unterschiede auf extremen individuellen Ausprägungen des Körperbaus beruhen könnten. Dennoch schlagen sie bereits Namen für die zusätzlichen Arten vor: Die „Tyrannenechsen“ hätten demnach drei Varianten: neben dem König T. rex auch eine Königin, T. regina, und sogar einen Kaiser, T. imperator. Demnach wäre T. imperator der Vorläufer der beiden anderen Arten, von dem T. rex als robustere und T. regina als grazilere Variante abstammen. Sollte sich die Unterscheidung in verschiedene Tyrannosaurus-Arten tatsächlich durchsetzen, könnten diese Artnamen durchaus Verwendung finden, sagt Sander.

So oder so: Selbst falls der Vorschlag die Paläontologenzunft eines Tages überzeugen sollte, würde es wohl dauern, bis sich die Nomenklatur allgemein durchsetzen würde, sagt Herkner: „Museen würden nicht sofort alle Texttafeln umschreiben und ihre Sammlungsschubladen umsortieren.“

RND/dpa

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