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Insektensaison startet

Manchmal lästig, aber nützlich: Wieso Wespen so wichtig sind

Die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe ernähren sich nicht nur von Kuchen, sondern in erster Linie von Nektar und Honigtau.

Mehr als 600 Wespenarten surren durch Deutschland. Doch nur zwei davon – die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe – sind für den schlechten Ruf der Fluginsekten verantwortlich. Denn nur sie interessieren sich hierzulande überhaupt für den Speiseplan der Menschen, naschen am Kuchen, fallen in die Limonade und klauen manchmal sogar Fleischstückchen.

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Wer die Tiere zu hektisch versucht zu verscheuchen oder gar versehentlich quetscht, kassiert manchmal einen schmerzhaften Stich. Wespen empfinden viele Menschen daher als lästig. Nutzlos sind sie aber ganz und gar nicht, sagt Melanie von Orlow vom Naturschutzbund (Nabu). Die Biologin räumt allerdings ein: „Bisher gibt es kaum Grundlagenforschung zu Wespen.“

Wespen haben großen Nutzen für den Menschen

Ein Team um die britische Professorin Seirian Sumner vom University College London (UCL) will das ändern. Im vergangenen Jahr publizierten die Forschenden eine Studie zum Nutzen von Wespen für das Ökosystem („Ecosystem services provided by aculeate wasps“). Dafür analysierten sie mehr als 500 wissenschaftliche Arbeiten.

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Sie kamen unter anderem zu dem Ergebnis, dass Wespen als natürliche Schädlingsbekämpfer in der Landwirtschaft eingesetzt werden könnten. So ließen sich Pestizide einsparen. Mehr als 150 Pflanzenarten seien von Wespen als Bestäuberinnen komplett abhängig. Das Gift der Insekten könnte mit seinen antibiotischen Eigenschaften für die Produktion von Medikamenten taugen.

Selbst als Snack für den Menschen eigneten sich die Tiere. „Wespen schmecken, gedippt in etwas Chiliöl, eindeutig gut, und sie sind überraschend nahrhaft. Die Förderung von Entomophagie – Insekten als Nahrung für den Menschen – ist sicherlich die Lösung für nachhaltige Ernährungssicherheit“, schreibt Sumner in einem Kommentar auf der Webseite des UCL, der mit „Warum ich Wespen liebe und warum Sie das auch tun sollten“ überschrieben ist.

Der Job von Wespen in der Natur

Nabu-Biologin von Orlow beobachtet schon lange, welche Aufgaben Wespen in der Natur übernehmen. Sie ist Leiterin des Berliner Hymenopteren-Dienst, der sich dem Schutz von Wildbienen, Hummeln und Hornissen widmet. Wie viele andere Insekten, die hin und wieder auf Pflanzen herumkrabbeln, bestäuben Wespen Blüten. Darüber hinaus fressen sie tote Tiere. „Sie sind also daran beteiligt, Aas zu zerlegen und zu zersetzen“, sagt die Naturschützerin.

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Auch diverse Insekten stehen auf dem Speiseplan von Wespen. Die klassischen „Kuchenwespen“ – so nennt von Orlow die beiden als lästig empfundenen Arten – seien dabei nicht sonderlich spezialisiert. „Eigentlich jagen sie alles, was kleiner als sie selbst ist, zum Beispiel Honigbienen oder Käfer. Alles, was eine Wespe erbeuten und überwinden kann, wird von ihr angeflogen“, erklärt die Expertin. Somit helfen Wespen dabei, Pflanzenkrankheiten einzudämmen. Denn sie dezimieren die Bestände von Schädlingen.

Warum erbeuten Wespen Fleisch?

„Ein kleiner Wespenstaat vertilgt bis zu 3.000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und andere Kleintiere pro Tag“, erklärt der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund). Unter den mehr als 600 Wespenarten in Deutschland gibt es auch solche, die hochgradig spezialisierte Jägerinnen sind. Dazu zählt etwa die Blattlauswespe. Wie der Name schon vermuten lässt, ist sie eine Gegenspielerin der Blattläuse. Zwar ernähren sich die erwachsenen Blattlauswespen von Honigtau oder Nektar. Ihre Eier legen sie allerdings in die Läuse ab. Während die Wespenlarve heranwächst, tötet sie die Blattlaus.

Und warum naschen manche Wespenarten dann ab August am Aprikosenkuchen oder den Bratwürsten, wenn sie genauso gut Insekten jagen und Nektar schlürfen könnten? „Wenn es draußen in der Natur nicht mehr viel für sie zu holen gibt, bedienen sich Wespen auch an den Lebensmitteln der Menschen“, erklärt Nabu Biologin von Orlow. Um sich selbst zu ernähren, benötigten die Insekten Zucker und für ihren Nachwuchs Eiweiß. Deshalb interessierten sich die Tiere nicht nur für den Nachtisch, sondern auch fürs Steak.

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Wespen als Nahrung für andere Tiere

Als Beute dienen die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe zum Beispiel den Hornissen. Die großen Brummer zählen ebenfalls zur Familie der Wespen. „Ein sehr populärer, aber nicht besonders häufiger Gegenspieler ist der Wespenbussard“, erklärt Biologin von Orlow. Dieser Greifvogel grabe Wespennester aus und verfüttere seinen Fang an die eigene Brut. Da die typischen „Kuchenwespen“ gern am Boden brüten, zählten einige größere Wirbeltiere zu ihren Fressfeinden. Mäuse, Ratten oder Waschbären etwa bedienen sich gern am Wespennest. „Es ist erstaunlich, wie gut diese Tiere die Stiche offenbar wegstecken können“, sagt die Nabu-Expertin.

Die Frage nach dem Nutzen von Wespen findet die Biologin allerdings „schon ein bisschen anthropozentrisch“, also aus einer menschlichen Perspektive gestellt. Sie halte nichts von der These, dass es irgendetwas in der Natur geben solle, was nicht nützlich sei. „Eigentlich hat doch alles seinen Sinn und Zweck“, sagt von Orlow. Genauso wie alle anderen Lebewesen hätten Wespen ebenfalls ihren Job in der Natur. Und außerdem: Damit Arten als schützenswert gelten, ist der Meinung der Biologin nach nicht relevant, ob der Mensch einen Nutzen in ihrem Dasein erkenne.

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